{"id":274,"date":"2018-08-14T20:00:13","date_gmt":"2018-08-14T19:00:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dewijs.ch\/wordpress\/?page_id=274"},"modified":"2018-08-14T20:51:49","modified_gmt":"2018-08-14T19:51:49","slug":"1-august-ansprache-1997-in-rheinfelden-ch","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.dewijs.ch\/wordpress\/1-august-ansprache-1997-in-rheinfelden-ch\/","title":{"rendered":"1. August-Ansprache 1997 in Rheinfelden CH"},"content":{"rendered":"<ol>\n<li><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>August-Ansprache 1997 von Jean Jacques de Wijs<\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>in Rheinfelden , Schweiz<\/strong><\/span><\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Schweiz und die SchweizerInnen aus der Sicht eines \u2018integrierten\u2019 Ausl\u00e4nders<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Mitb\u00fcrger und Mitb\u00fcrgerinnen von Rheinfelden,<\/p>\n<p>Es freut mich, dass die Organisatoren der dies-j\u00e4hrigen 1.August-Feier mich f\u00fcr die Fest-Ansprache engagiert haben, um Ihnen einige Impressionen \u00fcber die Schweiz und die Schweizer zu vermitteln aus der Sicht eines \u2018integrierten\u2019 Aul\u00e4nders.<\/p>\n<p>Die ersten 27 Jahre meines Lebens habe ich in den Niederlanden verbracht. Darauf folgte ein Jahr in Strasbourg und darauf 5 Jahre an der Elfenbeink\u00fcste, in Abidjan, West-Afrika. Seit 24 Jaren wohne ich in Rheinfelden und arbeite in Basel.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend einer so langen Zeit in der Schweiz, macht man sich immer wieder Gedanken, und man wird in Staunen versetzt. Ich \u00fcberlegte, Schweizer zu werden, und ich tat es doch nicht, obwohl ich das \u2018Examen\u2019 bestanden habe (Sie k\u00f6nnen es Herrn Molinari selbst fragen).<\/p>\n<p>Abgesehen von Zeit- und Geld-H\u00fcrden, ist es f\u00fcr einen Ausl\u00e4nder psychologisch schwieriger die Schweizer Nationalit\u00e4t anzunehmen als umgekehrt, weil der Ausl\u00e4nder in den meisten F\u00e4llen seine Ursprungsnationalit\u00e4t verliert, der Schweizer jedoch nicht.<\/p>\n<p>Sowohl die Schweiz als auch die Niederlande haben sich frei gek\u00e4mpft von den damaligen Grossm\u00e4chten. Was die Schweiz betrifft, ist dies im Rathaushof abgebildet, obwohl die Rheinfelder damals noch \u00d6sterreicher waren. Diese alten Krieger kann ich mir gut vorstellen. Jede Abend kam in Abidjan mich der Nachtw\u00e4chter abends begr\u00fcssen. Er pr\u00e4sentierte sich in voller Afrikanischer Kriegsausr\u00fcstung mit Schild, Speer, Pfeil und Bogen. Abgesehen von der Hautfarbe, m\u00fcssten die alten Eidgen\u00f6ssische Krieger auch so ausgesehen haben.<\/p>\n<p>Was weiss man \u00fcberhaupt \u00fcber die Schweiz im Ausland. Eine Begegnung auf einer Autobahnrastst\u00e4tte mit Motorrad-fahrende Holl\u00e4nder spiegelt die wohl g\u00e4ngige Version: Sauberes Land, sch\u00f6nes Land, teures Land, gut organisiert, fleissige Leute mit einer speziellen Demokratie und die Frauen ohne Stimmrecht (noch immer!). Nat\u00fcrlich gibt es auch Leute mit gediegeneren Kenntnissen. Auffallend wenig Information findet man in den Niederl\u00e4ndischen Zeitungen \u00fcber die Schweiz. Vor 2 Jahren fand ich in einer grossen Lokalzeitung (vergleichbar mit der Basler Zeitung) den Bericht, dass Baselland ein Konzept f\u00fcr Velo-Wege entwickelt hatte. F\u00fcr die Holl\u00e4nder war das erw\u00e4hnenswert.<\/p>\n<p>Kaum wohnt man in der Schweiz, taucht die Frage auf: Warum haben Sie die Schweiz ausgew\u00e4hlt zum leben. Die auf die Qualit\u00e4ten seines Landes stolzen Schweizer erhalten die ern\u00fcchternde Antwort: Ich suchte eine Stelle und bin hier gelandet, mehr oder weniger durch Zufall und Gl\u00fcck.<\/p>\n<p>Und man macht etwas aus seinem Leben an der Stelle wo man gelandet ist. In erster Linie dadurch dass man die Umgebung (Menschen, Dinge, Abl\u00e4ufe) akzeptiert, wie sie sind und gleichzeitig dadurch, dass man bleibt, wer man ist.<\/p>\n<p>Bez\u00fcglich Wohlstand, Organisation, Sauberkeit und Ordnung wurden alle Erwartungen \u00fcbertroffen, auch f\u00fcr mich als Niederl\u00e4nder. Die Schweizer erlebe ich als freundlich und, hilfsbereit, aber Freunde gewinnen ist nicht so einfach. Man muss selbst aktiv werden um sich hier wohl und integriert zu f\u00fchlen. Positive Erfahrungen gibt es dann genug. Ein kleines Beispiel: Verglichen mit der franz\u00f6sische Administration arbeiten die Schweizer Beh\u00f6rden mit Lichtgeschwindigkeit.<\/p>\n<p>Als Ausl\u00e4nder sehe ich die Dinge nat\u00fcrlich meistens nicht so wie ein Schweizer Gespr\u00e4chspartner. Ich kann meine Vergangenheit nicht einfach \u00fcber Bord setzen. Aber eine langsame \u00dcbernahme von Ideen findet statt, sodass ich pl\u00f6tzlich entdeckte, dass ich im Ausland (= NL) in einer Diskussion einen Schweizer Standpunkt verteidigte und das dann auch direkt zu h\u00f6ren bekam.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch nach 24 Jahren Rheinfelden und sozusagen \u2018integriert\u2019, vertrete ich doch noch immer mein Vaterland, die Niederlande. Kaum bin ich in den Niederlanden, vertrete ich also die Schweiz und das tue ich auch sehr gerne. Alpeninitiative und G\u00fctertransport auf die Bahn werden immer kr\u00e4ftig von mir verteidigt. Sogar den Nicht-Beitritt zum EWR. Schlussendlich hat dies mit der direkten Demokratie zu tun.<\/p>\n<p>Der Nicht-Beitritt zum EWR hat auch seine positiven Seiten, welche man erst nachher entdeckt. Noch bis vor kurzem \u00fcbernahmen einzelne Europ\u00e4ische Staaten eine Vorreiterrolle auf bestimmten Gebieten wie \u00d6kologie oder Energiepolitik. Nun jedoch haben sie im Rahmen der EU weniger Freiheit fortschrittliche Gesetze zu realisieren. Hier hat die Schweiz ihre Freiheit behalten z.B. in Sachen Massnahmen gegen den Strassen-Transport-Wahnsin oder f\u00fcr eine Kohlendioxid-Emissionsabgabe, und k\u00f6nnte dadurch eine wichtige Vorreiterrolle in W-Europa \u00fcbernehmen. Die Schweiz kann also ein Musterland bleiben.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte hier nicht eingehen auf bestimmte, derzeit hochbrisante Themen, welche Sie alle kennen. Es ist jedoch ganz klar dass das \u2018Image\u2019 der Schweiz gelitten hat unter diesen Ereignisse.<\/p>\n<p>Der Zuger Schriftsteller Thomas H\u00fcrlimann hat vor kurzem gesagt: <em>Der Schweiz geht es zur Zeit miserabel. International sind wir unm\u00f6glich, national unwirklich<\/em>.<\/p>\n<p>Ich hoffe doch, dass die Suppe nicht so heiss gegessen wird, wie sie von Herrn H\u00fcrlimann auf gedient wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Irgendwann stellt man sich selbst die Frage oder man wird gefragt: Geh\u00f6rt dies oder jenes zur Schweizer Eigenart. Dann fallen mir erst Mal Dinge ein, womit man auf irgendeine Art zu tun hatte oder davon geh\u00f6rt hat: 7 Mio Einwohner der Schweiz haben 24 verschiedene Schulsysteme, dito Steuersysteme, dito Sozialsysteme. Es gibt ohne Zweifel weitere Beispiele. Aber haben diese Beispiele etwas mit der Art oder mit dem Charakter des Schweizers zu tun?. Nein doch, h\u00f6chstens mit dem System worin wir leben. Diese Seiten des Systems kann man unpraktisch, un\u00f6konomisch oder asozial nennen f\u00fcr die Menschen. Im Grossen und Ganzen lebt es sich in diesem System jedoch sehr gut.<\/p>\n<p>Machen wir noch Mal einen Versuch die Schweizer Eigenart zu definieren:<br \/>\nArbeitsam, konsequent, seri\u00f6s, ernsthaft, ehrlich, freundlich, gut in Organisieren, mit Gef\u00fchl f\u00fcr Qualit\u00e4t. Alles sch\u00f6ne, aber doch einigermassen langweilige Eigenschaften. Das allein kann doch nicht das Richtige sein. Andere Adjektive also: optimistisch, humorvoll, dynamisch, chaotisch. Diese werden zwar der Schweizer Eigenart nicht speziell zugeschrieben aber sie stimmen trotzdem f\u00fcr einzelne Personen (ich m\u00f6chte mich selbst nicht ausschliessen). Leute mit solchen Eigenschaften gibt es in jedem Volk. Es ist also nicht m\u00f6glich eine Schweizer Eigenart zu definieren, ohne vielen Leuten Unrecht zu tun, indem man die aufregenden Seiten des Charakters streicht.<\/p>\n<p>Liebe Mitb\u00fcrger(Innen), was kann ich euch als Fazit meiner Erfahrungen in der Schweiz mitgeben? Grunds\u00e4tzlich gibt es keinen signifikanten Unterschied zwischen Holl\u00e4nder und Schweizern. Es sei denn, das Gesp\u00fcr f\u00fcr \u2018Gezelligheid\u2019, was in den Niederl\u00e4ndern tief verwurzelt ist und resultiert in das Trinken von vielen \u2018kopjes koffie\u2019 wenn man zusammen sitzt. Aber auch ohne diese vielen, geselligen \u2018kopjes koffie\u2019 ist es hier gut Leben, Lieben und Lachen.<\/p>\n<p>Wenn Sie noch etwas in diesem wundersch\u00f6nen Land verbessern m\u00f6chten, und das ist im besten F\u00f6derativen Staat m\u00f6glich (ich habe vorher ein paar Punkte genannt), dann sollten Sie sich jedoch beeilen. Denn, so schnell und gut die Gesetze hier angewendet werden, so langsam und harzig lassen sie sich anpassen an neue Situationen. Mit einer so tiefen Geburtsrate wie die Schweizer Sie haben, ist es in ein paar hundert Jahren wahrscheinlich gar nicht mehr notwendig die Gesetze anzupassen wegen Mangel an &#8230;&#8230;.. Schweizern.<\/p>\n<p>Ich danke Ihnen, dass sie mir zugeh\u00f6rt haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jean Jacques de Wijs<br \/>\nWaldhofstrasse 6 -4310 Rheinfelden Schweiz<br \/>\nTel. Pr.: 061 8316586<br \/>\nMob.:\u00a0\u00a0 078 6911226<br \/>\nEmail: jeanjacques@dewijs.ch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>August-Ansprache 1997 von Jean Jacques de Wijs in Rheinfelden , Schweiz Die Schweiz und die SchweizerInnen aus der Sicht eines \u2018integrierten\u2019 Ausl\u00e4nders &nbsp; Liebe Mitb\u00fcrger und Mitb\u00fcrgerinnen von Rheinfelden, Es freut mich, dass die Organisatoren der dies-j\u00e4hrigen 1.August-Feier mich f\u00fcr die Fest-Ansprache engagiert haben, um Ihnen einige Impressionen \u00fcber die Schweiz und die Schweizer zu [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":8,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dewijs.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/274"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dewijs.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dewijs.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dewijs.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dewijs.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=274"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.dewijs.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/274\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":279,"href":"https:\/\/www.dewijs.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/274\/revisions\/279"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dewijs.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=274"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}